Millionen Haushalte sind Verschuldet
Den Ausweg aus ihren finanziellen Engpässen schaffen viele nicht allein.
In der Bundesrepublik Deutschland sind schätzungsweise mehr als 3 Millionen Menschen überschuldet, Tendenz steigend. Die Verbraucherinsolvenzen haben sich seit 1999 verzehnfacht. Das ist für die gesamte Wirtschaft ein großes Problem, aber für den einzelnen ist es eine Tragödie. Schulden können auch die Gesundheit in erheblichem Maß beeinträchtigen. Deshalb ist es wichtig, seine Situation immer im Auge zu behalten und rechtzeitig etwas zu unternehmen, bevor man keinen Ausweg mehr sieht.
Kreditaufnahme und Verschuldung sind heute normale wirtschaftliche Vorgänge, nicht nur im Bereich von Unternehmen, sondern auch für private Haushalte. Der Kauf von PKW, Hausrat, Möbel und auch die Urlaubsfinanzierung auf Raten ist schon fast zur Normalität geworden. Das ist alles noch vertretbar, solange man mit seinem Einkommen den Ratenzahlungsverpflichtungen nachkommen kann. Die Probleme beginnen dann, wenn dies nicht mehr möglich ist und man spricht dann nicht mehr von Verschuldung sondern von Überschuldung . Die Grenzen zwischen Verschuldung und Überschuldung sind oftmals fließend.
Die Ursachen für eine Überschuldung sind vielfältiger Natur. Oftmals sind unvorhersehbare Ereignisse und Schicksalsschläge im privaten und beruflichen Bereich, also durch Arbeitslosigkeit oder Krankheit die Gründe, manchmal aber auch das Ergebnis von Unerfahrenheit und Sorglosigkeit. In vielen Fällen sind die Folgen für die Betroffenen einschneidend. Überschuldung kann zu wirtschaftlichen, sozialen und psychischen Schwierigkeiten führen, aus denen sich die Betroffenen aus eigener Kraft nur schwer wieder befreien können.
Kennen Sie Ihre Situation?
Sie sollten sich als erstes einen Überblick über Ihre finanzielle Situation verschaffen. Erstellen Sie sich eine Gewinn- und Verlustrechnung. Tragen Sie in eine Tabelle sämtliche Ausgaben pro Monat ein. Ausgaben die vierteljährlich, halbjährlich oder jährlich anfallen, rechnen Sie auf einen Monat um. Stellen Sie nun Ihren Ausgaben Ihre Einnahmen gegenüber, dann sehen Sie schnell, ob am Monatsende ein Überschuss oder ein Defizit entsteht. Bei einem Überschuss ist noch alles im grünen Bereich. Wenn Ihre Berechnung aber ein Defizit ausweist, dann heißt es schnell handeln.
Wo kann man Geld einsparen?
- Führen Sie ab sofort ein Haushaltsbuch, damit Sie sehen, wo Sie ihr Geld ausgeben.
- Schreiben Sie vor jedem Einkauf einen Einkaufszettel und kaufen Sie nur das, was darauf steht. Preise vergleichen und auf Angebote achten. Kaufen Sie günstigere No – Name Produkte anstatt teurer Markenware, es gibt kaum oder gar keine Qualitätsunterschiede.
- Keine unnötigen Fahrten mit dem PKW. Versuchen Sie, Ihre Fahrten so zu legen, das Sie bei einer Fahrt z.B. Einkäufe, Termine und andere Aufgaben gezielt zu erledigen, um unnötige Fahrten zu vermeiden.
- Kleider, Spielzeug und andere Gebrauchsgegenstände über Secondhand und über Annoncen kaufen und verkaufen. Flohmärkte bieten sich auch an und machen noch Spaß.
- Versicherungen durchforsten, auf günstigere Tarife umsteigen und unnötige kündigen.
- Telefonrechnung und Handytarif prüfen und evtl. auf einen günstigeren Tarif umsteigen.
- Bei Städten und Gemeinden nach Familienpässen fragen. Damit wird der Eintritt in Schwimmbad, Museum oder bei anderen Veranstaltungen günstiger.
- Bei Ausflügen und Urlaub auf Ermäßigungen und Sondertarife achten. Sie sollten auch Familienprogramme von Verbänden nutzen.
Was tun, wenn die Schulden Sie fast erdrücken?
Der Weg zum Briefkasten fällt Ihnen schwer, weil eh nur Rechnungen, Mahnungen und Vollstreckungsbescheide drin sind? Der Gerichtsvollzieher geht bei Ihnen schon ein und aus? Dann wird es allerhöchste Zeit, sich professionelle Hilfe zu holen. Rufen Sie bei einer Schuldnerberatungsstelle an und lassen Sie sich einen Beratungstermin geben. In den Schuldnerberatungsstellen sind Fachleute, die Sie über rechtliche Möglichkeiten aufklären, Ihnen bei der Aufstellung von Ratenplänen helfen und Sie bei Verhandlungen mit den Gläubigern unterstützen können.
Es kann sein, das Sie auf den Termin einige Zeit warten müssen, aber in der Zwischenzeit gibt es schon was zu tun. Sie benötigen jetzt Ihre bereits erstellte Gewinn- und Verlustrechung und eine Liste, wem Sie wie viel Schulden mit den dazugehörigen Unterlagen. Sichern Sie sich Ihre Lebensgrundlagen, zahlen Sie zuerst die Miete bevor Sie andere Ausgaben tätigen. Wenn bei Ihnen eine Lohnpfändung vorliegt, stellen Sie fest, ob die Pfändungsfreigrenzen berücksichtigt worden sind. Fragen Sie im Lohnbüro Ihres Arbeitgebers nach.
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